Die Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung nennt Beträge, aber selten den Rechenweg. Dabei ist das System erstaunlich einfach — es besteht im Kern aus einer einzigen Multiplikation. Wer sie verstanden hat, kann seine spätere Rente selbst überschlagen.
Die Grundformel
Ihre monatliche Bruttorente ergibt sich aus:
Entgeltpunkte × aktueller Rentenwert × Zugangsfaktor × Rentenartfaktor
Für die reguläre Altersrente sind Zugangs- und Rentenartfaktor jeweils 1,0. Damit bleibt in der Praxis:
Entgeltpunkte × 42,52 €
Der aktuelle Rentenwert liegt seit dem 1. Juli 2026 bei 42,52 €. Zuvor waren es 40,79 € — die Renten sind zum 1. Juli 2026 um 4,24 % gestiegen. Der Wert gilt seit der Rentenangleichung bundeseinheitlich in West und Ost.
Wie Sie einen Entgeltpunkt bekommen
Sie erhalten für ein Kalenderjahr genau einen Entgeltpunkt, wenn Ihr rentenversicherungspflichtiges Bruttoeinkommen dem Durchschnittsentgelt aller Versicherten entspricht. Für 2026 liegt dieses Durchschnittsentgelt vorläufig bei 51.944 € brutto im Jahr, also rund 4.329 € im Monat.
Die Rechnung ist ein simpler Dreisatz:
Entgeltpunkte = Ihr Jahresbrutto ÷ Durchschnittsentgelt
| Jahresbrutto 2026 | Entgeltpunkte | Spätere Monatsrente daraus |
|---|---|---|
| 30.000 € | 0,58 | 24,55 € |
| 40.000 € | 0,77 | 32,74 € |
| 51.944 € | 1,00 | 42,52 € |
| 70.000 € | 1,35 | 57,30 € |
| 101.400 € und mehr | 1,95 (Maximum) | 82,99 € |
Lesen Sie die letzte Spalte richtig: Das ist der Rentenanspruch, den ein einziges Arbeitsjahr erzeugt — nicht Ihre Gesamtrente. Die entsteht erst durch die Summe aller Jahre. Ihre eigenen Werte rechnet der Rentenpunkte-Rechner aus.
Nach oben ist gedeckelt
Beiträge werden nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze erhoben — 2026 sind das 101.400 € im Jahr. Wer mehr verdient, zahlt auf den übersteigenden Teil keine Rentenbeiträge und bekommt dafür auch keine Punkte. Das Maximum liegt damit bei 101.400 ÷ 51.944 ≈ 1,95 Entgeltpunkten pro Jahr.
Die realistische Hochrechnung
Ein Beispiel: 40 Jahre Arbeit, durchgehend zum Durchschnittsentgelt. Das ergibt 40 Entgeltpunkte und damit 40 × 42,52 € = 1.700,80 € Bruttorente im Monat.
Diese Zahl wird oft als Referenz genannt — sie beschreibt aber eine idealtypische Erwerbsbiografie: kein Studium ohne Beiträge, keine Lücken, keine Teilzeit, nie unter dem Durchschnitt. Wer mit 27 nach dem Studium einsteigt und zwischendurch Teilzeit arbeitet, landet deutlich darunter.
Wichtig: Brutto ist nicht netto
Von der Bruttorente gehen noch ab:
- Krankenversicherung der Rentner — 7,3 % plus der halbe Zusatzbeitrag Ihrer Kasse,
- Pflegeversicherung — 3,6 %, von Rentnern in voller Höhe selbst zu tragen,
- Einkommensteuer, sofern die Rente zusammen mit anderen Einkünften über dem Grundfreibetrag liegt.
Aus 1.700 € brutto werden dadurch je nach Kasse und Steuerlast realistisch etwa 1.500 € netto. Wie viel bei Ihnen bleibt, zeigt der Beitrag Wie viel Rente netto bleibt.
Punkte, die es ohne Arbeit gibt
Nicht alle Entgeltpunkte stammen aus Beitragszahlungen. Angerechnet werden unter anderem:
- Kindererziehungszeiten: drei Jahre je Kind (geboren ab 1992), die mit jeweils rund einem Entgeltpunkt pro Jahr bewertet werden — also bis zu drei Punkte pro Kind.
- Pflege von Angehörigen: je nach Pflegegrad und Umfang.
- Zeiten der Arbeitslosigkeit mit Leistungsbezug.
- Schul- und Studienzeiten zählen als Anrechnungszeiten — sie füllen Lücken in der Versicherungsbiografie, bringen aber keine Entgeltpunkte.
Gerade die Kindererziehungszeiten sind erheblich: Drei Punkte entsprechen aktuell rund 128 € Monatsrente — für ein Kind, ohne einen einzigen Beitrag.
Lohnt sich freiwillige Einzahlung?
Ein Entgeltpunkt kostet als freiwilliger Beitrag ungefähr den Betrag, den ein Durchschnittsverdiener im Jahr an Rentenbeiträgen leistet — 2026 also rund 9.660 € (18,6 % von 51.944 €). Dafür gibt es lebenslang 42,52 € monatlich, das sind gut 510 € im Jahr.
Rechnerisch amortisiert sich das nach etwa 19 Jahren Rentenbezug. Dazu kommen: die jährliche Rentenanpassung, die Absicherung gegen Langlebigkeit und die steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge. Ob sich das im Einzelfall lohnt, hängt stark von Lebenserwartung, Steuersatz und Alternativanlagen ab — eine pauschale Antwort gibt es nicht, und dieser Beitrag ersetzt keine Rentenberatung.
Interessant ist die Option vor allem für zwei Gruppen: Menschen ab 50, die Abschläge für einen früheren Rentenbeginn ausgleichen wollen, und Selbstständige ohne andere Pflichtversicherung.
Was Sie konkret prüfen sollten
- Renteninformation lesen. Ab 27 Jahren und fünf Beitragsjahren kommt sie jährlich automatisch.
- Versicherungsverlauf klären. Lücken aus Ausbildung, Studium oder Auslandszeiten lassen sich oft nachträglich belegen — jede geschlossene Lücke ist bares Geld.
- Kindererziehungszeiten prüfen. Sie werden nicht immer automatisch dem richtigen Elternteil zugeordnet.
Eine erste Orientierung liefert der Rentenrechner; für die Umrechnung Ihres Gehalts in Punkte nutzen Sie den Rentenpunkte-Rechner.
