Auf der Gehaltsabrechnung steht die Kirchensteuer direkt unter der Lohnsteuer — und wird regelmäßig falsch verstanden. "9 % vom Gehalt" wäre ein gewaltiger Betrag. Tatsächlich sind es 9 % von der Lohnsteuer, und das ist eine ganz andere Größenordnung.
Wie hoch ist die Kirchensteuer 2026?
Die Sätze sind Ländersache und seit Jahren stabil:
| Bundesland | Kirchensteuersatz |
|---|---|
| Bayern | 8 % |
| Baden-Württemberg | 8 % |
| alle übrigen 14 Bundesländer | 9 % |
Maßgeblich ist Ihr Wohnsitz, nicht der Sitz des Arbeitgebers. Wer in München wohnt und in Frankfurt arbeitet, zahlt 8 %.
Erhoben wird die Steuer von den öffentlich-rechtlich verfassten Religionsgemeinschaften — vor allem der evangelischen und der katholischen Kirche, aber auch von jüdischen Gemeinden, altkatholischen und freireligiösen Gemeinschaften. Der Arbeitgeber behält sie ein und führt sie über das Finanzamt ab; dieses behält dafür eine Verwaltungsgebühr von 2 bis 4 % ein.
Was kostet die Kirchensteuer im Monat?
Weil die Bemessungsgrundlage die Lohnsteuer ist, wächst die Kirchensteuer überproportional mit dem Einkommen — genau wie die Lohnsteuer selbst. Grobe Orientierung für Steuerklasse I, kinderlos, 9 %:
| Brutto / Monat | Kirchensteuer ca. / Monat | ca. / Jahr |
|---|---|---|
| 2.500 € | ca. 15 € | ca. 180 € |
| 3.500 € | ca. 34 € | ca. 410 € |
| 4.500 € | ca. 57 € | ca. 680 € |
| 6.000 € | ca. 92 € | ca. 1.100 € |
Die Werte sind Näherungen — Steuerklasse, Kinderfreibeträge und Krankenkassenwahl verschieben sie. Für Ihr konkretes Gehalt liefert der Brutto-Netto-Rechner den exakten Betrag; die Kirchensteuer lässt sich dort einzeln zu- und abschalten, sodass Sie die Differenz direkt sehen.
Kinder senken die Kirchensteuer — anders als die Lohnsteuer
Ein Detail, das viele überrascht: Die Kirchensteuer wird nicht aus der tatsächlich einbehaltenen Lohnsteuer berechnet, sondern aus einer fiktiven Lohnsteuer unter Abzug der Kinderfreibeträge. Ein eingetragener Kinderfreibetragszähler senkt also die Kirchensteuer sofort im Monat — obwohl er die Lohnsteuer selbst unberührt lässt. Dasselbe gilt für den Solidaritätszuschlag. Mehr dazu im Beitrag zum Kinderfreibetragszähler.
Die Kappungsgrenze: Entlastung für hohe Einkommen
Ohne Deckelung würde die Kirchensteuer bei sehr hohen Einkommen stark ansteigen. Deshalb begrenzen die meisten Landeskirchen sie auf einen Prozentsatz des zu versteuernden Einkommens — je nach Land zwischen 2,75 % und 4 %.
Wichtig ist, wie die Kappung gewährt wird:
| Regelung | Bundesländer (Beispiele) |
|---|---|
| Keine Kappung | Bayern |
| Kappung nur auf Antrag | Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland |
| Kappung automatisch | u. a. Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein |
Wo ein Antrag nötig ist, wird die Kappung nicht von selbst gewährt — auch dann nicht, wenn Sie eine Steuererklärung abgeben. Sie müssen sich formlos an das zuständige Kirchensteueramt wenden, in der Regel nach Erhalt des Steuerbescheids. Bei entsprechend hohem Einkommen geht es dabei schnell um vierstellige Beträge pro Jahr.
Kirchensteuer auf Kapitalerträge
Auch auf die Abgeltungsteuer von 25 % wird Kirchensteuer erhoben. Die Bank fragt Ihre Religionszugehörigkeit automatisch beim Bundeszentralamt für Steuern ab und behält den Betrag direkt ein. Ein Vorteil: Die auf Kapitalerträge gezahlte Kirchensteuer mindert die Abgeltungsteuer selbst, sodass der effektive Steuersatz leicht sinkt — auf 24,45 % (9 %) bzw. 24,51 % (8 %) statt 25 %.
Kirchensteuer als Sonderausgabe absetzen
Die gezahlte Kirchensteuer ist in voller Höhe als Sonderausgabe abziehbar (§ 10 Abs. 1 Nr. 4 EStG) — ohne Höchstbetrag. Bei einem Grenzsteuersatz von 35 % kostet Sie eine Kirchensteuer von 600 € effektiv also nur rund 390 €.
Beim Lohnsteuerabzug ist dieser Effekt bereits eingearbeitet; wer eine Steuererklärung abgibt, trägt die Beträge aus der Lohnsteuerbescheinigung in der Anlage Sonderausgaben ein. Erstattete Kirchensteuer aus Vorjahren wird gegengerechnet. Die Gesamtwirkung auf Ihre Erstattung zeigt der Steuerrückerstattung-Rechner.
Was beim Kirchenaustritt passiert
Der Austritt wird beim Standesamt oder Amtsgericht erklärt — je nach Bundesland — und kostet eine Gebühr zwischen 0 € (Bremen, Brandenburg) und rund 60 €.
Steuerlich gilt:
- Die Kirchensteuerpflicht endet je nach Bundesland mit Ablauf des Austrittsmonats oder des Folgemonats.
- Für den Rest des Jahres wird sie zeitanteilig berechnet — nicht rückwirkend erstattet.
- Der Sonderausgabenabzug entfällt entsprechend, die Netto-Ersparnis ist also kleiner als der Bruttobetrag.
Rechnerisch bleibt bei 9 % Kirchensteuer und 35 % Grenzsteuersatz von 100 € gesparter Kirchensteuer rund 65 € tatsächliche Netto-Ersparnis übrig. Nicht-steuerliche Folgen — kirchliche Trauung, Beerdigung, Patenamt, Arbeitsverhältnisse bei kirchlichen Trägern — sollten Sie unabhängig davon abwägen.
Besondere Konstellationen
Konfessionsverschiedene Ehe
Gehören beide Partner unterschiedlichen kirchensteuererhebenden Konfessionen an, wird die Kirchensteuer bei Zusammenveranlagung hälftig auf beide Kirchen aufgeteilt.
Glaubensverschiedene Ehe
Ist nur ein Partner Mitglied, wird die Kirchensteuer nur auf dessen Anteil an der gemeinsamen Steuer erhoben. In einigen Landeskirchen kann zusätzlich ein besonderes Kirchgeld anfallen, wenn der kirchenangehörige Partner deutlich weniger verdient — gestaffelt nach gemeinsamem zu versteuerndem Einkommen, meist zwischen 96 € und 3.600 € im Jahr.
Umzug zwischen Bundesländern
Der Satz richtet sich nach dem Wohnsitz. Bei einem Umzug von Nordrhein-Westfalen nach Bayern sinkt er von 9 % auf 8 % — ab dem Folgemonat der Ummeldung.
