Mit der Aktivrente will die Bundesregierung Menschen im Rentenalter zum Weiterarbeiten bewegen. Der Name führt in die Irre: Es ist keine zusätzliche Rente, sondern ein Freibetrag bei der Lohnsteuer. Dieser Beitrag erklärt, wer ihn bekommt, was netto übrig bleibt und wo die Haken liegen. Was von Ihrer Rente selbst nach Steuern und Beiträgen bleibt, rechnet der Rente-Brutto-Netto-Rechner.
Was ist die Aktivrente?
Seit dem 1. Januar 2026 ist Arbeitslohn bis 2.000 € im Monat steuerfrei, wenn Sie die Regelaltersgrenze erreicht haben und als Arbeitnehmer weiterarbeiten (§ 3 Nr. 21 EStG). Das gilt für Lohn, der nach dem 31. Dezember 2025 gezahlt wird. Der Freibetrag kommt zusätzlich zum Grundfreibetrag von 12.348 €. Einen Antrag brauchen Sie nicht: Ihr Arbeitgeber berücksichtigt die Steuerfreiheit direkt in der Lohnabrechnung.
Wer bekommt die Aktivrente?
- Regelaltersgrenze erreicht: je nach Jahrgang zwischen 66 und 67 Jahren. Ihre genaue Grenze zeigt der Renteneintrittsalter-Rechner.
- Arbeitnehmer mit Rentenversicherung: Der Arbeitgeber muss für Sie Beiträge zur Rentenversicherung zahlen. Das ist bei einer normalen Beschäftigung nach der Regelaltersgrenze der Fall, auch wenn Sie selbst keinen Rentenbeitrag mehr zahlen.
- Mit oder ohne Rente: Ob Sie schon Rente beziehen, den Rentenbeginn aufschieben oder gar keinen Rentenanspruch haben, spielt keine Rolle.
Ausgeschlossen sind Selbständige, Beamtinnen und Beamte, Abgeordnete und Minijobber. Wer neben der Rente nur einen Minijob hat, profitiert also nicht; der Minijob ist für Beschäftigte ohnehin steuerfrei, mehr dazu im Beitrag Minijob 2027.
Wie viel spart die Aktivrente?
Das hängt davon ab, wie hoch Ihr übriges Einkommen ist. Beispiel mit 1.500 € gesetzlicher Rente (Rentenbeginn 2026, steuerpflichtiger Anteil 84 %), Steuer pro Jahr nach der Steuererklärung:
| Lohn pro Monat | Steuer ohne Aktivrente | Steuer mit Aktivrente | Ersparnis pro Jahr |
|---|---|---|---|
| 1.000 € | 2.149 € | 59 € | 2.089 € |
| 2.000 € | 5.099 € | 59 € | 5.040 € |
| 2.500 € | 6.724 € | 830 € | 5.894 € |
| 3.000 € | 8.450 € | 2.149 € | 6.302 € |
Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag 2026, Einzelveranlagung, ohne Kirchensteuer und weitere Einkünfte. Kranken- und Pflegeversicherung auf den Lohn mit dem ermäßigten Beitragssatz für Vollrentner, auf die Rente als Rentner. Ab 2.000 € Lohn bleibt der steuerfreie Betrag bei 24.000 € im Jahr. Die Ersparnis steigt danach nur noch, weil dieser Betrag sonst mit einem höheren Grenzsteuersatz belastet würde; der Lohn über 2.000 € wird normal versteuert.
Welche Sozialabgaben fallen an?
Die Aktivrente befreit nur von der Steuer, nicht von Beiträgen. Kranken- und Pflegeversicherung zahlen Sie weiter. Wer eine volle Altersrente bezieht und die Regelaltersgrenze erreicht hat, zahlt in der Regel keinen eigenen Beitrag zur Renten- und Arbeitslosenversicherung; der Arbeitgeber zahlt seinen Rentenbeitrag trotzdem. Wer den Rentenbeginn aufschiebt, bleibt dagegen rentenversicherungspflichtig und erhöht so seine spätere Rente.
Die Steuerfallen der Aktivrente
- Steuer auf die Rente bleibt: Die Rente selbst ist nicht steuerfrei. Der Arbeitgeber kennt sie nicht und behält Lohnsteuer nur auf den Teil des Lohns über 2.000 € ein. In der Steuererklärung werden Rente und steuerpflichtiger Lohn zusammengerechnet. Eine Nachzahlung ist möglich, deshalb lohnt sich eine Rücklage.
- Monatsgrenze ohne Ausgleich: Die 2.000 € gelten je Monat. Was Sie in einem Monat nicht ausschöpfen, verfällt; ein Monat mit mehr Lohn, zum Beispiel durch Weihnachtsgeld, wird oberhalb von 2.000 € normal versteuert.
- Nur ein Arbeitgeber: Im Lohnsteuerabzug gilt die Aktivrente nur in einem Arbeitsverhältnis. Bei einem zweiten Job in Steuerklasse VI müssen Sie dem Arbeitgeber schriftlich bestätigen, dass Sie sie nicht schon anderswo nutzen.
- Kosten nicht absetzbar: Werbungskosten, die auf den steuerfreien Lohn entfallen, sowie die Sozialabgaben auf diesen Teil können Sie nicht absetzen. Den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.230 € gibt es aber voll für den steuerpflichtigen Lohn.
Gute Nachricht: Für den steuerfreien Teil gilt kein Progressionsvorbehalt. Er erhöht also nicht den Steuersatz auf Ihre übrigen Einkünfte.
Lohnt sich das Weiterarbeiten?
Neben der Steuerersparnis zählt, was Sie netto vom Lohn behalten und wie sich Ihre Rente entwickelt. Wer die Rente aufschiebt, bekommt für jeden Monat 0,5 % Zuschlag. Wie viel ein zusätzliches Arbeitsjahr an Rentenpunkten bringt, zeigt der Rentenpunkte-Rechner; das Netto Ihres Lohns rechnet der Brutto-Netto-Rechner.
Stand: 5. Oktober 2026. Alle Angaben ohne Gewähr, keine Steuerberatung.
